Berta und Bertie spinnen

Ich nenne sie Berta und Bertie. Sie bewachen mich schon seit fast einem Monat. Jeden Abend, wenn es dunkel wird, sind sie zur Stelle. Wehe, wer ihnen ins Netz geht!

Berta und Bertie sind Spinnen. Sie haben ihre Spinnennetze beim Balkongeländer unseres Schlafzimmers aufgespannt. Sie fangen und fressen Mücken. Mir soll’s recht sein. Ich habe Mücken nicht gern. Leider beruht diese Abneigung nicht auf Gegenseitigkeit.

Ich bin kein spezieller Spinnen-Liebhaber. Irgendwie sind mir diese Tierchen unheimlich. Liegt es vielleicht daran, dass ich ihren Augenkontakt nicht richtig deuten kann? Doch jede Mücke, die Berta und Bertie erwischen, bedeutet für mich einen Mückenstich weniger. Das macht die Spinnen für mich so sympathisch.

Mit der Sympathie ist es ja so eine Sache. Viele Menschen sind da ziemlich heikel. Viele haben eine unsichtbare Check-Liste, um zu prüfen, ob sie eine Person als sympathisch einstufen. Das geht in etwa so:

  • Ist diese Person freundlich zu mir?
  • Ist sie mir wohl gesinnt?
  • Ist es angenehm, mit ihr zusammen zu sein? ...


Alle diese Punkte treffen auf Berta und Bertie nicht zu. Sie sind mir aber trotzdem nicht unsympathisch. Das hat einen einfachen Grund: Sie sind nicht gegen mich.

Schon Jesus hat gesagt: Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch. (Lukas 9,50)
Das sagte Jesus nicht über Spinnen, sondern in Bezug auf Menschen. Die spinnen aber manchmal auch.

Mit diesem Ausspruch bremste Jesus seine Jünger. Die ärgerten sich nämlich gerade über einen Menschen:
"Herr", berichtete Johannes aufgeregt, "wir haben einen gesehen, der in deinem Namen böse Geister austrieb. Weil er nicht zu uns gehört, haben wir es ihm verboten." (Lukas 9,49)
Und darauf antwortete Jesus eben mit: Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch. (Lukas 9,50) Mit anderen Worten: Wer sich euch mit eurer Jesus-Begeisterung nicht in den Weg stellt, kann nicht euer Feind sein!

Wir Menschen neigen dazu, anderen ziemlich enge Vorgaben zu machen. Wer nicht tickt wie wir, ist verdächtig.
Natürlich: Jesus spricht vom schmalen guten Weg (Matthäus 7,14). Doch manchmal machen wir diesen Weg noch schmaler, zumindest für die anderen.
Deshalb sollten wir als Jesus-Nachfolger Gegensteuer geben und seine Daumenregel ernst nehmen: Wer nicht gegen euch ist, ist für euch.

Das entspannt – auch mich. Übrigens: Berta und Bertie dürfen weiterhin ihre Netze vor unserem Schlafzimmer aufspannen. Sie sind nicht niedlich, aber nützlich.

Mit vernetzten Grüssen
Markus Brunner

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