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Höllische Weihnacht – eine Gruselgeschichte

Liebe Leserin, lieber Leser

Diese frei erfundene Geschichte ist nichts für schwache Nerven. Es handelt sich eigentlich um eine Weihnachtsgeschichte. Doch diese gruselige Geschichte darf man nicht an Weihnachten erzählen. Glauben Sie mir: Sie würden damit jede feierliche Stimmung ersticken.

Doch Weihnachten ist ja vorbei. Deshalb mute ich Ihnen diese Geschichte zu: "Höllische Weihnacht". Doch Achtung! Wenn Sie jetzt weiterlesen, dann nur auf eigene Gefahr. Diese Geschichte kann ihnen die nächste Weihnacht verderben! Sie wollen trotzdem weiterlesen? Dann bitte sehr:

Ich nehme Sie mit an einen ungewöhnlichen Ort. Ich nenne diesen Ort "Vorhölle".
Der Teufel ist ausser sich. Rasend geht er hin und her. Er schreit seine Oberdämonen an: "Ihr unfähigen lausigen Kreaturen! Habt ihr denn eigentlich keine Augen im Kopf? Das Weihnachtsfest wird immer populärer. Und ihr? Was macht ihr? Nichts!"

Es ist mäuschenstill im Vorhof der Hölle. Was können die Oberdämonen schon sagen? Es gibt wohl kaum einen Menschen, der Weihnachten nicht kennt. Und diese Menschen feiern das, was die Dämonen erschaudern lässt: Gottes Sohn ist Mensch geworden, damit er die Menschen zum himmlischen Vater führen kann. Bei diesem Gedanken läuft allen Dämonen einen kalten Schauer den Rücken herab. Aber: Wie kann man diese Entwicklung stoppen?

Plötzlich meldet sich ein ganz gewöhnlicher Dämon, der die Sitzung zufällig mitbekommen hat.
"Ähm, ich hätte eine Idee", macht sich der Dämon bemerkbar. Die hasserfüllten und leeren Augen aller Anwesenden schauen ihn überrascht an. Was hat dieser Hanswurst hier überhaupt zu suchen? Doch der Dämon fährt fort: "Wir könnten uns der Weihnachtsbewegung doch einfach anschliessen. Wir erfinden dann wacker neue Lieder wie zum Beispiel Süsser die Glocken nie klingen ..."

Der Dämon wird von einem Oberdämon unterbrochen: "Hast du den Verstand verloren? Wenn schon lassen wir Höllenglocken singen ..." Die anderen stimmen sofort zu. Doch der Teufel gebietet Ruhe und schaut den Dämon erwartungsvoll an.

Der Dämon erklärt weiter: "Unsere Lieder werden wunderschön weihnächtlich klingen. Nur handeln sie nicht von Weihnachten. Sie besingen den Tannenbaum, die Glocken, ein fliegendes Christkindlein, ein fröhliches Fest, letzte Weihnacht, ... Mit diesen Weihnachtsliedern füllen wir die Welt. Überall soll Weihnachten gefeiert werden – mit Liedern ohne Inhalt. Mit der Zeit werden immer weniger Menschen eine Ahnung haben, was Weihnachten wirklich bedeutet."

Jetzt kann der Teufel seine Bewunderung nicht mehr zurückhalten. Begeistert ruft er: "Du bist ein wahrer Teufelskerl! Ich werde dich befördern, damit du diesen Plan sofort umsetzen kannst. Aber sag mal: Woher hast du diese Idee?"

Der Dämon räuspert sich und erklärt kleinlaut: "Von der Bibel. Genauer aus der Offenbarung 12,13-16. Dort heisst es, dass unser Chef als (mächtiger) Drache und (schlaue) Schlange die Kirche ersäufen will. Da bin ich auf die Idee gekommen, den Weihnachtssinn mit einer oberflächlichen Weihnachtskultur zu ertränken. Wer weiss: Vielleicht wird die Kirche zwar nicht untergehen, doch die Erde wird unsere süsse Überschwemmung willkommen heissen. Die Medien werden unser oberflächliches Zeug auf allen Kanälen senden (mit oder ohne Billag). Auf der ganzen Welt wird Weihnachten gefeiert werden – ohne Sinn und Inhalt."

"Eine teuflisch gute Idee!", kommentiert der Teufel anerkennend. Lasst uns sofort an die Arbeit gehen!

Tja, liebe Leserin, lieber Leser. Seither wird Weihnachten von der Hölle selbst gefördert. Grotesk, aber genial. – Oder haben Sie eine andere Erklärung für den weihnächtlichen Klimbim und Klamauk?

Mit nach-weihnächtlichen Grüssen
Markus Brunner